Gelebte Diakonie – füreinander – miteinander
Nachdem es der politischen Gemeinde vor hundert Jahren nicht möglich war, auf Dauer eine Krankenschwester anzustellen, gründeten Hermannsburger Christen einen Verein für Krankenpflege.
Den Gründungsvätern 1913, allen voran Pastor Röbbelen, Lehrer am Missionsseminar, ist die Verankerung aller drei lutherischen Kirchen am Ort gelungen. So sind bis heute im ehrenamtlichen Vorstand, der aus 7-9 Personen gebildet wird, Vertreter aus allen drei ev. luth. Kirchen und der kath. Kirche vereint.
Die diakonischen Aufgaben werden in Zeiten knapper öffentlicher Mittel und den Veränderungen, die das Gesundheitsstrukturgesetz mit sich bringt, zunehmen. Gefördert wird der Krankenpflegeverein durch zahlreiche Mitglieder und Spendenbeiträge.
Trotz wirtschaftlicher Engpässe soll es weiterhin den Mitarbeiterinnen des Krankenpflegevereins ermöglicht werden, in außergewöhnlichen Belastungssituationen für die Pflegebedürftigen und die Angehörigen da zu sein, unabhängig von wirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Hauptaufgabe ist die ambulante Krankenpflege für Hermannsburg und seine umliegenden Ortschaften. Zurzeit werden etwa 80 Patienten zum Teil mehrmals täglich von 20 Mitarbeiterinnen versorgt. Die Leitung und Koordinierung der Einsätze obliegt Frau Christa Wassmann.
Die Krankenschwestern und Helferinnen werden durch regelmäßige Schulungen, z. B. zur Ernährung – und Flüssigkeitsversorgung, Lagerungstechniken, Dekubitusprophylaxe, Wundversorgung, Schmerztherapie, fortgebildet. Ein Qualitätsmanagement ist in ständiger Weiterentwicklung fester Bestandteil der pflegerischen Arbeit.
Ab dem Jahre 2004 wurde zusammen mit ca. 20 Ehrenamtlichen ein Netzwerk zur Entlastung von pflegenden Angehörigen aufgebaut. Die Zunahme von Menschen, die an Alzheimer und den verschiedenen Formen der Altersdemenz erkrankt sind, bringt die pflegenden Angehörigen nicht selten an den Rand ihrer Belastbarkeit. Altersverwirrte brauchen eine Rundum-Betreuung.
Eine stundenweise Entlastung, durch eine Betreuung in der Häuslichkeit und neuerdings zweimal in der Woche durch eine Tagesbetreuung in der Gruppe, schafft ein wenig Freiraum für die Angehörigen. Die Gruppenbetreuung wird ermöglicht durch eine Kooperation mit dem „Wasserschlösschen“, das die benötigten Räume und das Inventar kostenlos zur Verfügung stellt. Wir suchen immer noch Ehrenamtliche, die unter der Anleitung und Begleitung durch unsere Schwestern und Helferinnen diesen Dienst übernehmen. Der Aufruf ergeht hier besonders an Männer in unserer Gemeinde. Überwiegend wird die Betreuung von Frauen übernommen, das muss grundsätzlich nicht so bleiben.
Ein weiteres Anliegen ist die Verbesserung der Versorgung und Begleitung von Palliativpateinten. Durch eine Kooperation mit der "Stiftung Celler Netz Hospiz- und Palliativstützpunkt" wurde der rechtliche Rahmen zur ambulaten Versorgung durch den Krankenpflegeverein für Hermannsburg geschaffen. Zurzeit lassen sich 3 Ehrenamtliche zur Sterbebegleitung in Celle ausbilden. Auch hier suchen wir noch weitere Unterstützer.
Im Laufe der Jahrzehnte wurden vielfältige verschiedene Aufgaben übernommen, aber auch wieder eingestellt.
2002 musste aus wirtschaftlichen Gründen die „Suchtarbeit“ beendet werden.
Für die Grabpflege auf dem Hermannsburger Friedhof werden keine neuen Verträge mehr geschlossen.
Im Paul-Gerhardt-Haus befindet sich neben 18 Seniorenwohnungen die Geschäftstelle des Krankenpflegevereins. Durch eine Mitarbeiterin finden regelmäßige Gemeinschaftsveranstaltungen für die Bewohner im Wintergarten statt.
Der Krankenpflegeverein Hermannsburg e. V. ist Mitglied beim Diakonischen Werk der ev.-luth. Landeskirche Hannovers und führt als Zeichen das Kronenkreuz.
2013 soll das 100jährige Bestehen des Krankenpflegevereins gefeiert werden. Ein ehrenamtlicher Archivarbeitskreis trifft sich regelmäßig zur Vorbereitung einer Chronik und ist momentan auf der Suche nach historischen Dokumenten über den Krankenpflegeverein, die vielleicht in der Hermannsburger Bevölkerung noch vorhanden sind.






